07. Juli 2026

„Wir verheiraten IT und Technik in der Ausbildung“

Die Ausbildungswerkstatt wird grundlegend neu ausgerichtet – strategisch unbedingt nötig und für die Azubis ein Meilenstein! Wir haben Ausbildungsleiter Daniel Wirth, Ausbilder Tobias Sohn und die Mechatronik-Azubis Joel Hüter und Tom Weinert befragt.

Was macht man, wenn sich Technologien rasanter entwickeln und klassische Ausbildungsberufe nicht mehr mithalten können? „Dann schaffen wir uns die Schnittstellen selbst“, sagt Daniel Wirth, Ausbildungsleiter der FLG. „Unsere Maschinen sind heute vernetzt, Produktionsprozesse digitalisiert und zunehmend durch KI verbessert. Wer diese Systeme verstehen und steuern will, braucht beides: technisches und digitales Know-how.“ Deshalb haben er und sein Team eine Neugestaltung der Ausbildungswerkstatt umgesetzt, um die gewerblich-technischen Berufe und IT-Berufe stärker miteinander zu vernetzen. „Unsere gewerblich-technischen Azubis werden verstärkt in die IT-Arbeitsbereiche eintauchen und lernen, wie eine vernetzte Produktion aufgebaut ist“, erläutert Tobias Sohn, Leiter gewerblich-technische Ausbildung. Und umgekehrt sollen die IT-Azubis ein Verständnis von den Produktions- und Technikbereichen erhalten, da sich ihr Fachwissen bislang mehr auf Dienstleistungs-IT beschränkt.

Was ab Herbst für alle neuen FLG Azubis gelten soll, ist aber jetzt schon Praxis, wie die Azubis Joel Hüter und Tom Weinert erleben. „Wir haben in unserer Ausbildungswerkstatt zum Beispiel KI-Kameras und lernen damit praxisnah die Technik kennen, die in unseren Werken bereits eingesetzt wird und was nicht zur klassischen Mechatronik-Ausbildung gehört“, sagt Joel Hüter. Und Tom Weinert ergänzt: „Wir können in der Ausbildungswerkstatt auch einfach mal Dinge ausprobieren. Ich habe beispielsweise versucht, eine KI-Kamera mit einem Roboterarm zu verbinden, so wie das auch in unserem Werk gemacht wird.“

Inhaltlich setzt Daniel Wirth bei der neuen Ausbildungslogik bewusst auf Tiefe statt Taktung: Vorgesehen ist, dass die Ausbildungszeit in der Werkstatt verlängert wird. Statt der bisherigen sechs Monate sind neun bis zwölf Monate vorgesehen, um deutlich mehr Gewicht auf Themen wie Robotik, Sensorik und Künstliche Intelligenz zu legen. Das heißt zwar, dass die Azubis weniger Fachabteilungen durchlaufen, dafür in diesen qualitativ viel hochwertiger mitarbeiten können, da die Grundlagen in der Ausbildungswerkstatt viel fundierter gelegt werden. Die Azubis bleiben länger in der Ausbildungswerkstatt, bauen gezielt Wissen auf und sind schneller wirklich einsetzbar. So wachsen sie von Anfang an in die komplexen Anforderungen einer vernetzten Produktion hinein – praxisnah, fundiert und zukunftssicher.

Optisch hat sich auch einiges getan: Es gibt neue Ausbildungsbänke, die sowohl für die klassische Elektrotechnik ausgestattet sind als auch einen Programmierbereich enthalten. Das alles entsteht aus eigener Kraft: „Wir Azubis haben an der Umgestaltung der Werkbänke beispielsweise mitgearbeitet“, erzählt Tom Weinert. Von der Planung über die Bestellung bis hin zu Schweißen und Montage. Daneben statteten sie nicht nur alle Arbeitsbereiche mit den notwendigen Ressourcen wie Strom, Druckluft und Netzwerkdosen aus, sondern setzten auch die komplette Umverkabelung der Ausbildungswerkstatt in Eigenleistung um. Zudem entwarfen die Azubis komplexe Halterungen mithilfe von CAD passgenau für individuelle Anforderungen, fertigten diese intern und übernahmen anschließend die vollständige Verdrahtung. „Das dauert vielleicht länger“, sagt Tobias Sohn, „aber es schafft etwas Entscheidendes: echtes Können, echte Verantwortung und ein Ergebnis, hinter dem alle stehen.“