24. September 2022

Auslandssemester in Litauen

Studiengang: Wirtschaftsingenieurwesen, 5. Semester

Schon in den ersten Semestern des Studiums hat mich das Absolvieren eines Auslandssemesters im Rahmen des Studiums angesprochen. Gründe dafür waren zum einen natürlich, sich sprachlich zu verbessern. Zudem war ich aber auch neugierig, neue Kulturen kennenzulernen und den Austausch mit Studenten aus anderen Ländern zu erleben. Bei StudiumPlus bietet sich ein Auslandssemester im 5. Semester an, da man hier auch in Deutschland keine festgelegten Module hat, sondern seinen Stundenplan aus einem Angebot von Wahlmodulen zusammenstellen kann. So ist man nicht auf ein bestimmtes Angebot an der Partneruniversität angewiesen, sondern kann auch dort frei wählen, sofern die Module einen Bezug zum Studiengang haben.

Studierender Marvin während des Auslandssemesters in Litauen

Vorbereitung

Im Zuge der im Laufe des 2. Semesters bei StudiumPlus stattfindenden Informationsveranstaltungen habe ich mich informiert, um bereits frühzeitig alles in die Wege leiten zu können. Dabei ist es auch wichtig, die Anforderungen seitens des Partnerunternehmens im Vorfeld abzuklären. Für eine Genehmigung des Auslandsaufenthalts musste ich zum Beispiel einen Sprachtest in der englischen Sprache ablegen und entschied mich für den TOEFL-Test.

Auch wenn der Bewerbungsprozess auf den ersten Blick etwas stressig und unübersichtlich erscheinen mag, war es für mich absolut kein Problem, da man auch vom International Office der THM gut unterstützt wird und bei Fragen immer einen Ansprechpartner hat.

Bis Dezember 2019 mussten alle Bewerbungsunterlagen bei der THM eingereicht werden, im Mai 2020 gab es dann auch die Zusage von der VGTU in Vilnius. Damit konnte die Planung des Aufenthalts dort beginnen. Jeder Erasmus-Student bekommt von der VGTU einen Mentor zur Seite gestellt, der einem z.B. bei der Wohnungssuche helfen soll, aber auch bei allen anderen Fragen unterstützt. Aufgrund des guten Anschlusses zu den anderen Erasmus-Studenten entschied ich mich für das Wohnen im Studenten-Wohnheim. Dann musste nur noch der Flug gebucht werden und die Reise konnte beginnen.

Unterkunft

Blick vom Gediminas Tower auf die Stadt

In Vilnius angekommen wurde ich am Flughafen schon von meiner Mentorin empfangen. Von ihr wurde ich zum Wohnheim begleitet. Dort erwartete mich bereits mein französischer Mitbewohner, mit dem ich für die nächsten Monate das Zimmer teilen würde. In der Wohnung gab es einen kleinen Eingangsbereich, ein Bad und das Schlafzimmer, welche ich mir mit meinem Mitbewohner teilen musste. Die Küche wurde von insgesamt vier Personen genutzt. Das Zimmer war zwar recht spartanisch eingerichtet, aber absolut ausreichend. Was an Komfort unter Umständen gefehlt hat, hat das Wohnheim durch die vielen internationalen Kontakte und seinen eigenen Charme wieder ausgeglichen.

Studium

Die Fakultäten der Uni sind in der Stadt verteilt, wodurch ich manche Vorlesungen am „Hauptcampus“ hatte (5 Minuten zu Fuß vom Wohnheim) und für andere etwa 30 – 40 Minuten Bus ins Zentrum fahren musste. Die Vorlesungen fanden alle in englischer Sprache statt. Wenn das zu Beginn vielleicht noch eine kleine Umstellung war und etwas mehr Konzentration erfordert hat, so habe ich mich doch sehr schnell daran gewöhnt und hatte keine Probleme mit dem Verständnis. Von Beginn fanden alle theoretischen Vorlesungen aufgrund der Corona-Pandemie online statt. Die praktischen Übungen und Laborpraktika durften zunächst noch vor Ort stattfinden, wurden aber leider später auch nur noch online abgehalten. Dadurch ging vielleicht eine Facette der Auslandserfahrung verloren, weil der persönliche Kontakt nochmal andere Möglichkeiten bietet.

Wasserburg Trakai

Die Noten bestehen in Litauen nicht wie in Deutschland komplett aus einer Klausurnote am Ende des Semesters, sondern setzen sich meist aus verschiedenen Leistungen zusammen. Je nach Modul und Dozent gibt es Zusatzleistungen wie Hausarbeiten, Präsentationen oder auch eine Zwischenprüfung. Dadurch ist man schon während des Semesters gezwungen, immer am Ball zu bleiben. Dafür spart man sich am Ende einen Teil des Lernaufwands, da die Inhalte immer präsent geblieben sind.

Alltag und Freizeit

Neben den Vorlesungen blieb zum Glück noch genug Zeit, um Land und Leute besser kennenzulernen. Gerade am Anfang waren auch einige Veranstaltungen (natürlich mit Maske) möglich, sodass ich noch viel erlebt habe. Oft hat man sich auch unter der Woche abends noch mit den anderen Erasmus-Studenten in einer der vielen Bars getroffen. Auch die „Cultural Evenings“, die das Erasmus Student Network (ESN) veranstaltete, waren immer ein Highlight. Dabei haben sich die Studenten gegenseitig ihre Heimatländer vorgestellt und es wurde zum Beispiel traditionelle Musik gespielt oder getanzt. Vilnius hat als Stadt wirklich viel zu bieten, gerade die Altstadt ist sehr sehenswert. In den Außenbezirken sieht man der Stadt oft noch ihre sowjetische Vergangenheit an. Allerdings wird aktuell auch an jeder Ecke gebaut und modernisiert.

An den Wochenenden waren auch einige Kurztrips möglich. Dabei habe ich mit ein paar Freunden zum Beispiel die litauische Ostseeküste mit Klaipeda (drittgrößte Stadt Litauens) und die kurische Nehrung besucht. Auch die nahe bei Vilnius gelegene Stadt Trakai mit der berühmten Wasserburg (eines der Wahrzeichen Litauens) ist sehr sehenswert.

Kurische Nehrung

Fazit

Zusammenfassend kann ich nur jedem empfehlen, ein Auslandssemester zu machen! Auch wenn der Organisationsaufwand zu Beginn sehr hoch erscheint, so war es absolut machbar und hat sich definitiv gelohnt. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Entscheidung für Litauen und Vilnius für mich genau die richtige war.

Die Corona-Pandemie hat meine Erfahrung zwar ein bisschen eingeschränkt, dennoch waren zu Beginn noch viele Veranstaltungen möglich und ich bin froh, den Schritt auch in dieser Zeit gemacht zu haben. Ich habe viele neue Freunde aus ganz Europa gefunden und dabei nicht nur die litauische, sondern auch andere Kulturen besser kennengelernt. Auch sprachlich bin ich nochmal sicherer geworden, da das Lernen einer Sprache meiner Meinung nach sehr stark von der täglichen Übung und praktischen Anwendung lebt.

Abschließend möchte ich mich noch bei meinem Partnerunternehmen Rittal GmbH & Co. KG bedanken, das mir diese Erfahrung ermöglich und mich dabei unterstützt hat.